IW06vz’s Weblog

Welche Ethik braucht das Internet?

Institutionen der Informationsethik & wie man Ethik umsetzen kann April 13, 2008

Wie bereits letztes Mal angekündigt werde ich heute einige Institutionen vorstellen, die sich mit der Thematik Ethik im Internet beschäftigen. Ebenso werde ich einige praktische Beispiele anbringen, wie versucht wird diese umzusetzen.


Das Internet ist ein non-proprietäres System, wobei es auf lokaler Ebene verantwortliche Stellen gibt, welche für die Wartung des Netzes zuständig sind. Oft sind das Telekom-Gesellschaften oder Betreiber von Computerzentren. Um eine zwischenstaatliche Koordination zu ermöglichen – also Regelungen auf internationaler Ebene – haben sich vor einigen Jahren entsprechende Organisationen gebildet. Es sind dies internationale und nationale Fachgesellschaften und Interessengemeinschaften, die bereits Ethik-Kodizes speziell auf das Internet bezogen aufgestellt haben. Einige davon, welche sich mit ethischen Richtlinien befassen, werden mit ihren jeweiligen Aufgaben im Folgenden aufgelistet (Kolb, 2001, S. 196):

Organisation

Aufgabe

ISOC(Internet Society)
  • Koordiniert die internationale Weiterentwicklung des Internets
  • Erweitert bestehende Internet-Dienstprogramme
IAB(Internet Architecture Board)

IETF

(Internet Engineering Task Force)

IRTF

(Internet Research Task Force)

  • Ist verantwortlich für die Entwicklung von Internet-Standards
  • Nimmt eine Beratungsfunktion gegenüber der ISOC wahr
  • Nimmt analoge Aufgaben wie das IAB wahr, jedoch spezifisch für Nordamerika
RIPE(Réseaux IP Européenne)


  • kümmert sich um den Aufbau einer Hochgeschwindigkeitsinfrastruktur für Datenübertragung zwischen Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen in Europa.
  • Verantwortlich für die technische und organisatorische Koordination von Datennetzen in Europa.
  • Dokumentationsstelle und als Sammelpunkt für Internet-Software.
EFF(Electronic Frontier Foundation)


  • Non-Profit-Organisation, die sich einsetzt für
  • das öffentliche Interesse am Schutz der Privatsphäre
  • den Zugang zu öffentlichen Informationen und Informationen auf dem Web und
  • den verantwortungsbewussten Umgang mit neuen Medien.
IFIP(International Federation for Information Processing)


  • mit Unterstützung der UNESCO gegründet
  • eine Nicht-Regierungsorganisation tätig im Bereich der „Informationsverarbeitung“
  • Beschäftigt sich mit Ethik-Standards und den Auswirkungen der Informationstechnologie auf die Gesellschaft.
GIA(Global Information Alliance)
  • Verbindet nichtstaatliche Organisationen und Fachgesellschaften auf dem Informationssektor unter dem Dach der „Fédération International de Documentation“ (FID)
DGI(Die Deutsche Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis e.V.)
  • „Diese Gesellschaft hat den von der EU unterstützten „Code of Practice“ übernommen.
GIDie Gesellschaft für Informatik

  • Will mit ihren „Ethischen Leitlinien“ bewirken, „dass berufsethische Konflikte Gegenstand gemeinsamen Nachdenkens und Handelns werden.
Nethics
  • Setzt sich zum Ziel ein internationales elektronisches Kommunikationsforum einzurichten und eine allgemeine Wissensplattform für das Gebiet der Informationsethik anzubieten.
  • Versucht außerdem, ein Netzwerk aus international qualifizierten Experten, die bei Bedarf aktuelle Entwicklungen kommentieren, zu etablieren („web of trust“).


Auf der Homepage von Capurro (2007) habe ich einige Ideen gefunden, wie man versucht die Informationsethik durchzusetzen. Z.B. arbeiten gewisse Institutionen mit Kampagnen, wie die Blue Ribbon Campaign welche von EFF zum Schutz der Redefreiheit im Netz geführt wird.

Die Vereinten Nationen (UN) befassen sich auch stark mit Informationsethik auseinander. WSIS (The World Summit on the Information Society) – ein Weltgipfel zu den Themen Information und Kommunikation – wird von den UN gesponsert.
Ich habe zwei interessante Seiten gefunden zum Thema Informationsethik der UNESCO aufgefunden, derer kurzen Studium sich lohnen würde:

Auch zu erwähnen sind die Aktivitäten wie Kongresse, Programme et cetera., welche von NGOs, Firmen, Ministerien und anderen Mehr geführt werden. Beispielhaft seien hier genannt:

In diesem Blog wurde oft erwähnt, dass nur die Formulierung ethischer Richtlinien allein nicht genügt, sondern dass die Anerkennung, die Anwendung, die Umsetzung und die Realisierung derselben viel wichtiger seien (Kolb, 2001, S. 199). Eine Lösung könnte z.B. die Selbstkontrolle in Form einer „Netiquette“ sein.
Eine andere Form von Selbstregulierung ist z.B. der Einsatz von Moderatoren in Newsgroups. Dabei wird der gegen gewisse ethische Grundsätze verstossende User aus entsprechender Plattform ausgeschlossen. In diesem Zusammenhang sind auch die sog. „cyber angels “ zu nennen, die sich freiwillig um Anstand im Netz kümmern (Capurro, 2007).

Um der Internetethik mehr Gewicht zu verleihen, sind gewisse Vorsätze gesetzlich verankert. Dies ist z.B. in Deutschland der Fall. Die Schweiz hinkt bzgl. Internetrecht im Gegensatz zu den anderen europäischen Ländern eher etwas hintendrein.

Neben Gesetzen können es auch Vereinbarungen und Deklarationen auf internationaler Ebene sein, welche ein ethisch korrektes Verhalten im Internet herbeizuführen im Stande sind. Hier einige Initiativen:

Schlussendlich existiert auch die Möglichkeit ethisch verwerfliches Verhalten im Internet mit Technischen Einrichtungen – wie Filter-, Abblock- und Rating-Verfahren – herbeizuführen. Natürlich sind diese auch stark umstritten, denn die einen sind der Meinung, dass dies zur Einschränkung des freien Zugriffs auf Information führt oder betrachten dies sogar als Vorstufe einer Internet-Zensur. Andere Stimmen sind der Meinung, dass dieses Verfahren die Chance ist, die Kontrolle über Internetinformationen zu behalten (Kuhlen, 2000).

Bei Capurro (2007) habe ich einige Beispiele dieser sog. „Filtering Software“ entdeckt, die ich hier noch nennen möchte:


Fazit

Es ist interessant zu erfahren wie gross und vielfältig die Zahl der Institutionen ist, die spezifisch ihren Beitrag für die Ethik im Internet leisten wollen. Gewisse konzentrieren sich auf technische und andere wiederum auf philosophische Fragestellungen. Dieses Faktum grosser Beteiligung von Interessensgemeinschaften ist sicherlich gut und förderlich für die Ethik im Internet. Damit die Ethik im Internet aber noch mehr Gewicht gewinnt, ist es meines Erachtens von essentieller Wichtigkeit, dass auch die Allgemeinheit, bzw. weite Welt der Internetuser auf die Thematik Ethik sensibilisiert wird. Erst durch die Mobilisierung der verschiedenen Bevölkerungsschichten geht man einen Schritt weiter zur Realisierung der Internetethik. Da scheinen mir Hilfsmittel wie Kampagnen als eine geeignete Lösung.

Aus meiner persönlichen Sicht würde die Festlegung von gesetzlichen Normen vielmehr an der technischen Umsetzung und der extremen Dynamik des Internets scheitern als an der Problematik der politischen Grenzen jedes einzelnen Rechtsstaates. Dies u.a. deshalb, weil ein Rechtssystem in einem demokratischen Staat sehr starr und schwerfällig ist und mit der grossen Dynamik des Internets nicht mithalten kann.

Aber solange das ethisch korrekte Verhalten nicht gesetzlich verankert ist, basiert ein solches auf rein freiwilliger Basis. Dies wiederum führt zu einer grossen Eigenverantwortung bei jedem einzelnen User, in dem Sinne, dass der Upload von Seiten mit ethisch verwerflichen Inhalten bewusst umgangen wird.

Technischer Einrichtungen wie Filter-, Abblock- und Rating-Verfahren stehe ich eher kritisch gegenüber. Hier ist eine realistische und besonders der Allgemeinheit bestimmte Meinung gefragt. Es darf nicht willkürlich durch den Staat oder gar die Wirtschaft bestimmt werden, was man der Bevölkerung erlauben darf und was nicht.


Literaturverzeichnis

Capurro, R. (2007). Einführung in die Informationsehtik. Systematische Aspekte (II). URL: http://www.capurro.de/ethikskript/kap7.htm#Par7.1 [Stand 25. Mai 2007]

GIA. (ohne Datum). Unsere Grundsätze. URL: http://www.gi-ev.de/wir-ueber-uns/unsere-grundsaetze [Stand ohne Datum]

Kolb, A. (2001). Die Fluchtgesellschaft im Netz. Neuer Ethik-Kodex für das Internet. Münster: LIT

Kuhlen, R. (2000). Geist oder Engel. Gespenst oder Engel – Filter-, Abblock- und Rating-Verfahren im Internet. UNESCO darf nicht bloß zuschauen. URL: http://www.nethics.net/nethics/de/themen/rating/gespenst.html#no1 [Stand 2000 ]

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2 Responses to “Institutionen der Informationsethik & wie man Ethik umsetzen kann”

  1. sum4sem Says:

    Liebe Tende

    In diesem Blogeintrag gibst du einen ausführlichen Überblick über verschiedene Orgamisationen im Internet, die sich enger oder im weiteren Sinn, mit der Ethik im Internet befassen.

    Gut würde ich finden, wenn du vor der Tabelle oder im Fazit eine Gewichtung der Organisationen zum Thema Ethik vornehmen würdest. So wie ich das verstehe, sind EFF und IFIP die wirklich wichtigen Adressen zur Ethik im Internet.
    Unter der Kategorie Initiativen zur Durchsetzung der Ethik im Internet sind dann die GI und Nethics zu nennen, die im Bereich ihres Berufsfeldes aktiv über ethische Grundsätze diskutieren.
    Damit wäre es für die LeserInnen möglich, sich schneller gezielt zu informieren und an die gewünschten Adressen zu gelangen.

    Die Darstellung der verschiedenen Kampagnen und Aktivitäten im 2. Teil, finde ich sehr gut. Da setzt du wirklich Prioritäten und weist ausdrücklich auf die interessantesten Quellen hin.

    Das Fazit würde ich an dieser Stelle auf den aktuellen Blogeintrag beziehen und, wie oben erwähnt, die wichtigsten Organisationen/Kampagnen/Aktivitäten/Gesetze hervorstreichen.

    Als Gesamtfazit deines Blogs fehlt mir das Aufnehmen der Themen der ersten Blogeinträge zur Ethik allgemein.
    Wie du dort festgestellt hast, kann ethisches Handeln nur durch die Diskussion über die Ethik umgesetzt bzw. mit rechtlichen Bestimmungen durchgesetzt werden.
    Du zeigst in diesem aktuellen Blogeintrag deutlich, dass es zwar verschiedene Ansätze dieses Diskurses gibt, aber nur wenige Internet-User, verglichen mit der Anzahl aller Internet-User, an dieser Diskussion über Ethik teilnehmen.
    Das bedeutet, bezogen auf die Aussagen deiner ersten Blogeinträge, dass ein „ethisches Internet“ kaum in nächster Zeit erreicht werden kann.

    Zum Schluss möchte ich dir für deine interessanten Blogeinträge danken, die ich in den letzten Wochen lesen durfte und ich hoffe, dir mit meinen Kommentaren, einige Impulse für die weitere Auseinandersetzung gegeben zu haben.

    Mit liebem Gruss
    sum4sem

  2. […] Diskussion könnte herbeigeführt werden, habe ich leider nicht gefunden. Aber es gibt diverse Institutionen der Internetethik, die unterschiedlicher Form aktiv sind, sei es Online-Plattform oder […]


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