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Welche Ethik braucht das Internet?

Ethik Geschichte, Theorien, Methoden März 10, 2008

Filed under: welche Ethik braucht das Internet — tendedunchu @ 1:18 am
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In diesem Blog werde ich über meine Recherchen im Bereich der Historie der Ethik berichten und einige Theorien und Methoden der Ethik in abgekürzter Form vorstellen. Anhand des Eintrags bezüglich Methoden wird der Versuch unternommen, auf die Frage, ob die Diskussion der Ethik im Internet überhaupt auf der Ebene der „normativen Ethik“ geführt werden kann oder nur auf der Ebene der „Metaethik“, Antwort zu geben.

2.1 Geschichte

Der erste Philosoph, der sich vor allem ethischen Fragestellungen beschäftigte, war der griechische Philosoph Sokrates (470-399 v. Chr.) Sein Hauptthema war „der richtige Lebensweg“, welchem er mit „Was-ist-Fragen“ dem Wesen der Dinge näher kommen wollte. Diese sokrates‘sche Art, über die Moral zu sprechen galt noch nicht als Philosophie, es war eher eine Art angewandter Ethik (Von den Berg, 2005, S.1).

„Wenn er zum Beispiel im Gespräch mit einem Bürger zu dem Ergebnis kam, dass jemand „tugendhaft“ sei, so war daraufhin Sokrates‘ Frage „Was ist Tugend?“. Damit regte er seine Mitmenschen dazu an, sich dem eigentlichen Wesen der Dinge zu widmen, zu fragen, was die wahre Natur von „Tugend“ zum Beispiel ist.“ (Von den Berg, 2005, S.1)

Erst Aristoteles führte den Begriff „Ethik“ als Bezeichnung für eine philosophische Disziplin ein, der die wissenschaftliche Beschäftigung mit Gewohnheiten, Sitten und Gebräuchen (ethos) meinte. Ethik war somit für Aristoteles eine philosophische Disziplin, die den gesamten Bereich menschlichen Handelns zum Gegenstand hat, diesen Gegenstand mit philosophischen Mitteln einer normativen Beurteilung unterzieht und zur praktischen Umsetzung der auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse anleitet.

2.2 Ethik Theorien

Im Folgenden werden einige Ethik-Theorien kurz umrissen:

  • Deontologische (Pflichten) Ethik, welche in der Aufklärungszeit von Immanuel Kant ausgehend begründet wurde und in der zentraleuropäischen Tradition – vor allem in Deutschland – eine besonders wichtige Stellung inne hatte. Die Kant‘sche Theorie gründet auf Rationalität, Autonomie/Selbstbestimmung und (Willens-)Freiheit eines jeden Menschen (also aller Menschen) (Kuhlen, 2004, S.58).

  • Utilitaristische (konsequenzialistische, teleologische) Ethik, die in angelsächsischen Ländern weit verbreitet war und die nicht die Intention, sondern die Auswirkungen des Handelns beurteilt oder sogar zu berechnen versucht. Entscheidendes moralisches Kriterium ist „das Prinzip des grössten Glücks der grössten Zahl“. Mit Nutzen wird nicht den individuellen Nutzen gemeint, sondern die Beförderung des allgemeinen Wohlergehens, es wird oft Nutzen-Prinzip bezeichnet (Kuhlen, 2004, S.48 )

  • Verantwortungsethik, durch die das Prinzip der Nachhaltigkeit und damit die Perspektive zukünftiger Generationen in die Ethik eingeführt wurde. Das Nachhaltigkeitsprinzip basiert nicht auf dem „Handeln nur auf das Hier und Jetzt bezogen“, sondern auf die Erde insgesamt und unter verantwortlicher Einbeziehung der Folgen für zukünftige Generationen (S.51). Somit spielt das Prinzip der Verantwortung in intergenerationeller Perspektive die entscheidende Rolle (Kuhlen, 2004, S.58).

  • Diskursethik, die das Prinzip der moralischen Argumentation in den Rahmen einer idealen Kommunikationsgemeinschaft stellt. (Kuhlen, 2004, S. 43) –>die globale Vernetzung von Gesellschaften und ihrer handelnden Subjekte sind in den Vordergrund gerückt.

2.3 Methodische Ansätze der Informationsethik

Als wichtigste methodische Ansätze sind die folgenden vier zu nennen.

  • Deskriptiver Ansatz
  • Normativer Ansatz
  • Metatheoretischer Ansatz
  • Diskursethischer Ansatz

Diese vier unterschiedlichen methodischen Herangehensweisen an die Informationsethik sollen im Folgenden ganz kurz erläutert werden (Kuhlen, 2004, S. 37ff.).

2.3.1 Deskriptiver Ansatz

Der deskriptive Ansatz von Ethik nimmt eine rein beschreibende Optik ein und beschreibt das normative Verhalten von Menschen oder ganzen Kulturräumen, beziehungsweise führt dieses Verhalten auf seine psychologischen, biologischen, sozialen und historischen Grundlagen zurück. Bei diesem Ansatz werden die Sitten, Verhaltensweisen, Gepflogenheiten oder Vorstellungen über Moral unterschiedlicher Gruppen von Menschen empirisch ermittelt, ohne dabei Wertungen dieser unterschiedlichen Moralvorstellungen vorzunehmen. Untersuchungsobjekte können bei diesem Ansatz einzelne Personengruppen, ganze Kulturkreise, Völker oder politische Staaten sowie auch bestimmte Berufsgruppen, Altersgruppen oder weitere Unterscheidungsmerkmale mehr sein.

2.3.2 Normativer Ansatz

Der Begriff „normativ“ hat eine vollständig konträre Bedeutung von „deskriptiv“. Es geht bei diesem Ansatz also darum Verhaltensanweisungen zu geben. Die gemachten Aussagen sind wertend.

Um zu diesen Aussagen, Grundsätzen zu kommen, wird versucht das moralische Handeln durch allgemeine, vom historischen Wandel und den kulturellen Unterschieden unterschiedlicher Menschengruppen nicht tangierter ethischer Grundwerte zu analysieren. Ausgangspunkt dieses normativen Ansatzes sind die aus einem theoretischen Ethikkonzept abgeleiteten allgemeinen Prinzipien, welche – wie der Name sagt – normativen Charakter haben.

2.3.3 Metatheoretischer Ansatz

Der metatheoretische Ansatz versetzt den Betrachter auf eine höhere, also auf eine Metaebene. Aus dieser übergeordneten Perspektive werden die gemachten Aussagen bezüglich moralisch begründetem Handeln überprüft und dann eine Bewertung dieser Aussagen aus ethischer Sicht vorgenommen.

2.3.4 Diskursethischer Ansatz

Bei diesem Ansatz wird die Bestimmung ethisch korrektem Verhandeln bewusst nicht wenigen Einzelpersonen zugeteilt, sondern es findet eine Diskussion über die Thematik der ethisch korrekten Handlungen in einem Kollektiv statt.

Die Entscheidung über die moralethische Korrektheit geschieht schlussendlich aber meist auf anderer, politischer oder wirtschaftlicher Ebene.

2.4 Fazit

Dem Abschnitt zur Historie der Ethik konnte man entnehmen, dass die Philosophie eine alte Kultur hat die bis zum griechischen Philosophen Sokrates führt. Die Geschichte färbt auch die Theorien an. Als gutes Beispiel ist hier die Deontologische Ethik zu nennen, welche Immanuel Kant stark geprägt hat. Denn zur Zeit der Aufklärung spielte die „Selbstbestimmung & Willensfreiheit“ eine zentrale Rolle. Dies im Gegensatz zur Diskursethik die jünger ist und mit der globalen Vernetzung der Gesellschaft konfrontiert ist. Demgemäss widerspiegeln die Theorien der Ethik die Zeitgeschichte.

Zum Schluss möchte ich noch zur Einleitungsfrage zurückkehren mit der Frage, ob die Diskussion der Ethik im Internet auf der Ebene der „normativen Ethik“ geführt wird oder nur auf der Ebene der „Metaethik“. Heute wird meiner Meinung nach der diskursethische Ansatz stärker gefördert. Vor allem nach dem Bewusstsein, dass das Internet mit den weltumspannenden Internetusern im Kollektiv diskutiert werden muss. Unter dem Begriff Kollektiv verstehe ich, dass sich mehrere Personen, welche die Vielzahl unterschiedlicher Grundüberzeugungen vertreten, sich an der Diskussion beteiligen.

Eine konkrete Lösung wie eine solche Diskussion könnte herbeigeführt werden, habe ich leider nicht gefunden. Aber es gibt diverse Institutionen der Internetethik, die unterschiedlicher Form aktiv sind, sei es Online-Plattform oder Veranstaltungen (vgl. hierzu entsprechender Blogeintrag vom 13. April 2008 zum Thema „Institutionen der Informationsethik & wie man Ethik umsetzten kann“).

2.5 Themenvorschau

Die Ethik der verschiedenen Bereiche wie Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Rechtswissenschaft werden im nächsten Beitrag vorgestellt.

2.6 Quellenverzeichnis

Kuhlen, R. (2004). Informationsethik. Umgang mit Wissen und Information in elektronischen Räumen. Konstanz: UVK

Von den Berg, S. (2005). Ethik allgemein oder die Moral von der Geschicht‘. Hannover: Forum FS Biologie Universität Hannover

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2 Responses to “Ethik Geschichte, Theorien, Methoden”

  1. sum4sem Says:

    Liebe Tende

    Der theoretische Hintergrund zur Ethik, den du in diesem Blogeintrag zur Ethik erläuterst, ist knapp und präzise und gibt einen guten Überblick über die verschiedenen Ansätze in verschiedenen Zeiten der Geschichte.

    Etwas ausführlicher und mehr auf die Problematik des Internets bezogen, hätte ich mir das Fazit gewünscht.

    Was heisst konkret, dass beim Diskursethischen Ansatz “im Kollektiv” über Ethik diskutiert wird?
    Wie kann das Kollektiv “Internetnutzende” eine Diskussion führen?
    Kann Ethik gesetzlich vorgeschrieben werden, oder sind die Gesetze Ausdruck des Konsens darüber, welche Werte in einer Gesellschaft geschützt werden sollen?
    Ist die Vielzahl der Gesellschaften/Kulturen, die das Internet nutzen, nicht zu gross um sich auf einheitliche ethische Grundsätze einigen zu können?
    Gibt es grundlegendes ethisches Handeln, das sich in allen historischen Zeiten und Kulturen findet?
    Welche Staaten sind in den internationalen Gremien der Ethik im Internet vertreten, alle oder vorallem die 1. Welt?

    Die Fragen sind nur als Denkanstoss gedacht und ich erwarte nicht, dass du diese beantwortest.
    Vielleicht könntest du etische Fragen, anhand einiger konkreter Beispiele aus der Interwelt, aufzeigen und diskutieren.

    Lieber Gruss
    sum4sem

    PS: Ich habe noch einen Link zu „Medien-Links“ – siehe dort unter Medienethik und -kritik (http://www.medienheft.ch/links/folder/links.html#Medienethik)

  2. tendedunchu Says:

    Liebe sum4sem

    Besten Dank für deinen Kommentar. Du hast sehr interessante weiterführende Fragen zu meinem Blogeintrag, bzw. der darin behandelten Thematik aufgeworfen. Einige deiner Fragen wurden in den darauffolgenden Blogeinträgen diskutiert. Sicherlich werden aber nicht alle Fragen behandelt und schon gar nicht beantwortet. Dies kommt einerseits daher, dass es den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde und den Blog zu einem Buch anwachsen würde, andererseits sind aber gewisse Fragen – wie dies in der philosophischen Diskussion um Ethik oft der Fall ist – schlicht nicht beantwortbar, da es die letzte Wahrheit nicht gibt.

    Liebe Grüsse

    Tende


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