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Welche Ethik braucht das Internet?

Definitionen von Ethik, Moral und Ethos März 10, 2008

Filed under: welche Ethik braucht das Internet — tendedunchu @ 12:57 am
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Wie bereits in der Themenvorschau erwähnt, werde ich auf den folgenden Seiten über meine beim Quellenstudium und eigener Reflektion gewonnen Erkenntnisse bzgl. Ethik und Moral berichten und zudem den Begriff Ethos, welchem ich während meiner Lektüre begegnet bin, reflektieren.

1.1 Definition Ethik

Die Ethik (griechisch: ēthike) gehört zu den Teilgebieten der Philosophie und setzt sich mit der Moral auseinander. Da der Gegenstand der wissenschaftlichen Disziplin das Reflektieren über das menschliche Handeln und moralisch richtige Verhalten, vor allem bzgl. bedeutsamer Entscheidungen ist (Kerres et al., 2001, S. 2), bezeichnet man die Ethik auch als „praktische Philosophie“.

Die Ethik sucht Antworten auf die Frage, welches Vorgehen in bestimmten Situationen das richtige, moralisch korrekte ist. Die klassische Formulierung, welche Immanuel Kant bereits Ende des 17. Jahrhunderts als eine der Hauptfragen der Philosophie formuliert hatte, ist: „Was sollen wir tun?“

„Die Ethik stellt Richtlinien auf, an denen sich menschliches Verhalten ausrichten soll. Sie beruft sich dabei auf „ein durch Vernunft erkennbares und somit für jeden Vernunftbegabten einsehbares, oberstes Prinzip“ (Encarta 2002: „Ethik“ zit. in Wolf, 2004, S. 4).“

Hier wird das Prinzip des sozialen Miteinanders angesprochen, denn durch die Einhaltung der Richtlinien als ethische Norm werden die Menschen zur Gemeinschaft befähigt und ein Zusammenleben wird berechenbar gemacht. Als ein wichtiger Bestandteil dieses Zusammenlebens wird die Kommunikation genannt, welche auch den Austausch via Internet einschliesst (Wolf, 2004, S. 4).

Mit „Moralphilosophie“ meint man im Wesentlichen das Gleiche wie mit „Ethik“. Nach Fröhlich scheint dieser Begriff auf etwas zu verweisen, das weder eine dogmatische Vorgabe noch ein festgelegtes Normensystem ist (Fröhlich, 2006, S.13-14), sondern im diskursiven Prozess festzulegen ist und somit zwingendermassen auf einem gemeinsamen Verständnis basieren muss.

Diese Definition macht deutlich, dass es bei Ethik um die Diskussion selbst geht und der damit verbundene Prozess des Nachdenkens eine zentrale Rolle spielt und nicht so sehr die Ergebnisse dieses Nachdenkens und der Diskussion (Fröhlich, 2006, S.13-14). Deshalb definiert Fröhlich die Ethik als

„das philosophische Nachdenken über das richtige Handeln.“

Dieses Handeln steht unter ganz verschiedenen Aspekten und es bezieht sich auf ganz unterschiedliche Gegenstände. Um sinnvoll zu sein, muss die Ethik auf diese Gegenstände und ihre jeweiligen Gegenstandsarten Rücksicht nehmen. Es ist schwierig eine Ethik mit universaler Bedeutung festzulegen und dieser Anspruch ist auch massiv umstritten (Fröhlich, 2006, S.10-11)

Diese Offenheit für die Ergebnisse des Nachdenkens in der Ethik führt zu Komplikationen, denn man hat ihr schon immer zum Vorwurf gemacht, sie führe nicht zu Ergebnissen, wie wir sie aus der theoretischen Philosophie oder aus den übrigen Wissenschaften gewohnt sind. Fröhlich macht auf den Aspekt aufmerksam, dies anders herum zu betrachten und somit einen Vorzug der Ethik darin zu erblicken, dass man mit ihr niemals zu allgemeinen und feststehenden Regeln und Gesetzen kommt, welche auf das konkrete Handeln bezogen keines Nachdenkens mehr bedürften (Fröhlich, 2006, S.13-14).

1.2 Definition Moral

Das Wort „Moral“ übersetzt aus dem lateinischen „mores“ bezeichnet die Sitten und Gebräuche, denen man als Mitglied einer kulturellen Gemeinschaft dann zu folgen hat, wen man die fraglichen Handlungen „gut“ machen will. Sie gut machen zu wollen heisst, sich nach dem richten zu wollen, was wirklich gut ist und nicht nach dem, was gut zu sein scheint. „Es gut zu machen“ heisst aber nicht dasselbe wie „es so zu machen, wie es üblich ist“; die Vorstellung vom Guten sollte zwar bestimmen, was üblich ist, das Gute und das Übliche werden im Regelfall aber nicht einfach zusammenfallen. Hier ein Beispiel von Fröhlich:

„Es könnte als ein «guter Vorschlag» erscheinen, eine als Haustier gehaltene Rennmaus vor der grossen Sommerreise auszusetzen. Obwohl solche Handlungen bei uns vorkommen und für die Akteure im Einzelfall vielleicht bequem sind, weil sie Umstände und Kosten ersparen, gelten sie einhellig als nicht gut, sondern lösen im Gegenteil Empörung aus. Eine Kontroverse darüber, ob eine bestimmte Handlung oder Unterlassung den mores entspricht, wird man, wenn sie darauf abzielt, dass die Gesprächspartner einander ganz oder teilweise überzeugen, einen Fall von „moralischem Argumentieren“ nennen: Zur Debatte steht die Frage nach der moralischen Beurteilung einer Handlung.“ (Fröhlich, 2006, S.13-14)

1.3 Ethik vs. Moral

Gemäss Schwank wird im alltäglichen Sprachgebrauch zwischen den Begriffen „Moral“ und „Ethik“ meist nicht differenziert. In der wissenschaftlichen Terminologie hingegen bezeichnet der Begriff der Moral die von der Gesellschaft akzeptierten und als „richtig“ und „gut“ erachteten, durch die Konventionen und Tradition entstandenen Verhaltensweisen. Ethik bezeichnet demgegenüber die „Wissenschaft von der Moral“ (Von den Berg, 2005, S.1) oder die Reflexion über moralische Handlungsnormen (Haller/Holzhey 1992, S.13 zit. in Schwank, 2002, S. 21).

1.4 Ethos gleich Ethik?

Ethik hat mit Ethos zu tun erklärt Kuhlen (2004, S. 28 ) und ist als Fremdwort Ende des 19. Jahrhunderts in die deutsche Sprache eingeflossen.

„Das Ethos eines Menschen, einer Gruppe oder einer gesamten Gesellschaft beruht auf der Anerkennung eines Ensembles von Werten, die dessen/deren Handeln steuern. Ethos ist sozusagen die gemeinsame Klammer dessen, was man als normatives Verhalten bezeichnet.“ (Kuhlen, 2004, S. 28 ).

In der deutschen Übersetzung bedeutet Ethos „gewohnter Ort des Wohnens“, „Gewohnheit“, „Sitte“, „Brauch“. Nach dem Ethos-Verständnis wird Ethik an die Umgebung zurückgebunden, in der Menschen handeln. Hier zwei Beispiele welche Kuhlen (2004, S.28 ) erwähnt:

Das Ethos der Schweine ist der Stall“

Der, in dem die Schweine leben, ist der Stall. Nur in diesem Stall, in ihrer Umgebung, entwickeln sich – im übertragenen Sinne – ihre Normen, wie sie sich richtig zu verhalten haben, um ein den Schweinen gemässes Leben im Stall zu leben. Auf der freien Weide würde sich ein anderes Ethos entwickeln.

„Das Ethos der Informationsgesellschaft ist das Internet“

Das Internet, die elektronischen Räume, sind die Umgebungen, in denen wir uns bewegen und aus denen wir unser intellektuelles Leben reproduzieren. Dies geschieht in Ergänzung und teilweise sogar in Ersetzung unserer natürlichen Umgebung und in Ersetzung der Inanspruchnahme materieller Güter und Ressourcen. Wir verbringen einen immer grösser werdenden Teil unserer privaten und professionellen Zeit im direkten face-to-face mit dem Bildschirm. Und -was entscheidender ist- die elektronischen Umgebungen, in denen wir uns unabhängig von räumlichen und zeitlichen Beschränkungen bewegen, bestimmten zweifellos unsere Sicht von Welt. Wir erfahren Welt zu grossen Teilen nicht mehr direkt aus dem, was wir real erleben, sondern aus der telemediatisierten Welt, wie auch schon vorher und heute immer noch aus den Vermittlung leistenden Medienwelten.

1.5 Fazit

Ich durchkämmte ziemlich lange in dem Dschungel von Begriffen mit Ethik, Moral und Ethos. Ein besseres Verständnis ermöglichten mir das Beispiel mit der Rennmaus von Fröhlich und ebenso die beiden oberhalb beschriebenen Beispiele von Kuhlen. Es war interessant gewesen zu entdecken, wie tiefgründig diese Begriffe sind, welche man oft hört und ohne weiteres Reflektieren das Gefühl hat, diese Begriffe zu verstehen.

Nach meiner Lektüre und dem Verfassen des vorliegenden Blogs würde ich den Zusammenhang, bzw. die Unterschiede der behandelten Begriffe der Moral, Ethik und des Ethos anhand eines sehr vereinfachten Beispiels folgendermassen umschreiben:

Bei einer Textseite, würde man die einzelnen Sätze als Moral bezeichnen und den gesamten Text als Ethik, das Blattpapier würde schliesslich das Ethos bilden.

Als ich gelesen habe, dass bei Ethik nicht die Ergebnisse des Nachdenkens eine zentrale Rolle spielten, sondern lediglich die Reflexion und Diskussion, da fragte ich mich, was der Sinn und Zweck der ganzen Sache ist, wenn man sich keine Resultate erhoffen kann. Vielleicht ist es aufgrund der vielen divergierenden Moralvorstellungen nicht möglich ergebnisbasiert vorzugehen oder ich muss es so betrachten wie Fröhlich, dass wir durch die Freiheit der Ethik uns eher Gedanken über das konkrete Handeln machen.

1.6 Themenvorschau

Beim nächsten Blog wird über die Geschichte, Theorien und Methoden von Ethik berichtet, was somit als eine Art von Fortsetzung vom jetzigen Blog dient.

1.7 Quellenverzeichnis

Fröhlich, G. (2006). Nachdenken über das Gute. Ethische Positionen bei Aristoteles, Cicero, Kant, Mill und Scheler. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht

Kerres, A.; Seeberger, B. (2001). Lehrbuch Pflegemanagement II. Berlin: Springer Verlag

Kuhlen, R. (2004). Informationsethik. Umgang mit Wissen und Information in elektronischen Räumen. Konstanz: UVK

Schwank, J. (2002). Cyberethik. Ethische Problemstellung des Internets und Regulierungsansätze aus Sicht der Online-Nutzer. München: Reinhard Fischer

Von den Berg, S. (2005). Ethik allgemein oder die Moral von der Geschicht‘. Hannover: Forum FS Biologie Universität Hannover

Wolf, A. (2004). Hausarbeit Medienethik. Internet-Ethik: Netiquetten & Co. Gefunden am 20.02 unter http://www.grin.com/de/preview/29077.html

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